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Junge Erwachsene.

Die verflixten sieben Jahre

Sie sind gerade volljährig geworden und ihr Führerschein ist noch brandneu. Sie stecken voller Tatendrang und ihr Verlangen, endlich zur erwachsenen PS-Gesellschaft zu zählen, kennt kaum Grenzen. Sie sind heiß aufs Fahren – die jungen Fahrer und Fahrerinnen. Doch der „PS-Lust“ der Jungen steht oft die Angst der Eltern gegenüber, die um Leben und Gesundheit ihrer Söhne und Töchter bangen. Denn der heißbegehrte Führerschein allein macht noch lange nicht sicher und gefahrenbewusst.

Ein Blick in die Statistik zeigt das deutlich: 2017 wurden 244 Pkw-Insassen und 91 Motorrad Fahrende im Alter von 18 bis 24 Jahren bei Verkehrsunfällen getötet. Insgesamt starben 2017 auf deutschen Straßen 394 Verkehrsteilnehmende dieser Altersgruppe. 12,4 Prozent der Getöteten gehörte dieser Altersgruppe an. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt jedoch nur 7,7 Prozent. Damit sind junge Verkehrsteilnehmende nahezu doppelt so häufig in tödliche Verkehrsunfälle verwickelt, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht.

Verunglückte nach Altersjahren

Typisch: Alleinunfall bei Dunkelheit durch überhöhte Geschwindigkeit

18- bis 24-jährige Autofahrer und Autofahrerinnen verunglücken weit häufiger als Angehörige anderer Altersgruppen bei „Fahrunfällen“ – also zum Beispiel durch Abkommen von der Straße. Unfälle junger Fahrerinnen und Fahrer ereignen sich zudem häufiger in den Nachtstunden als bei den anderen Altersgruppen, insbesondere am Wochenende. Viele dieser nächtlichen Unfälle dürften deshalb so genannte „Disko-Unfälle“ sein. Vor diesem Hintergrund stellt sich natürlich die Frage nach dem „Warum?“. Generell wird bei der Beschreibung dieser Zielgruppe von zwei Risiken gesprochen: Zum einen gibt es das „Anfängerrisiko“, da Fahranfängerinnen und Fahranfänger eben per se noch nicht über ausgeprägte Erfahrungen im Straßenverkehr verfügen können. Die Wahrnehmung möglicher Gefahren ist noch nicht entwickelt, die notwendige Routinebildung, die Kapazitäten für die Wahrnehmung und Gefahrenerkennung frei macht, ist noch nicht abgeschlossen. Hinzu kommt, dass, wer über wenig Erfahrung verfügt, bei überraschenden Geschehnissen häufig zu spät oder überzogen reagiert (zum Beispiel durch Verreißen der Lenkung). Zum anderen gibt es das „Jugendlichkeitsrisiko“, das aus der speziellen Entwicklungssituation dieser Altersgruppe resultiert. Die eigene Identität ist noch wenig ausgeprägt, der Einfluss der Gleichaltrigen ist umso stärker. Man experimentiert mit verschiedenen Rollen und Verhaltensmustern, sucht neue Erfahrungen und testet Grenzen aus. Hinzu kommt, dass junge Fahrerinnen und Fahrer häufig in speziellen Verkehrssituationen unterwegs sind: in der Nacht und am Wochenende, auf dem Weg von einer Disko zur anderen, mit der Gruppe im vollbesetzten Auto. Aus diesen Situationen ergibt sich häufig eine ganz besondere Gruppendynamik. Das Fahren, das in der Fahrschule als rein rationale Tätigkeit eingeübt wurde, muss in die soziale Realität des Alltags mitsamt seinen Emotionen und Erlebnissen integriert werden.

Nicht alle fahren forsch und riskant

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass das Unfallrisiko nicht für alle jungen Fahrerinnen und Fahrer gleich groß ist: Besonders gefährdet ist, wer eine besonders intensive emotionale Bindung an das Auto hat und eine erhöhte Bereitschaft zeigt, verkehrsbezogene Regelbrüche zu begehen. Besonders gefährdet sind diejenigen, die das Fahrzeug zur Demonstration von (vermeintlicher) Macht und Stärke benutzen sowie diejenigen, die als so genannte „sensation seeker“ mehr oder weniger bewusst Grenzsituationen aufsuchen, bei denen eine Selbstschädigung oder auch die Schädigung anderer in Kauf genommen wird. Aber auch die weniger gefährdeten Gruppen benötigen Unterstützung und Hilfen beim Hineinwachsen in den Straßenverkehr. Allzu große Gelassenheit und eine zur Überdeckung von Unsicherheit demonstrierte „Coolness“ können vor allem in komplexen Situationen leicht zu Fehlern führen.

Lösungsansätze

In den letzten Jahrzehnten wurden viele Anstrengungen unternommen, auf das Unfallrisiko junger Fahrerinnen und Fahrer Einfluss zu nehmen: Eine intensivere Fahrausbildung, der Stufenführerschein für Motorrad Fahrende, der Führerschein auf Probe mit verordneter Nachschulung für Auffällige wurden eingeführt. Hinzu kam das begleitete Fahren ab 17 sowie das Alkoholverbot für Fahranfänger und Fahranfängerinnen. Diese Maßnahmen bilden zusammen mit weiteren – speziell für junge Fahrerinnen und Fahrer gestalteten – Verkehrssicherheitsprogrammen ein wirksames Instrument für die weitere Senkung der Unfallzahlen dieser Zielgruppe..