zum Inhalt

Jugendliche.

Vom Fahrrad zum PS-Start

Endlich 15! Das Erreichen dieses Alters markiert für viele Jugendliche eine wichtige Schwelle: Ab jetzt ist die motorisierte Fortbewegung im Straßenverkehr möglich – zunächst auf dem Mofa, ab dem 16. Lebensjahr auch auf Moped, Roller und Leichtkraftrad. Mit 17 Jahren ist schließlich im Rahmen des begleiteten Fahrens auch der Einstieg in die vierrädrige Mobilität möglich. Mit steigender Motorisierung nimmt die Mobilität der Jugendlichen zu.

Damit einher gehen allerdings auch steigende Unfallzahlen: 18.702 Verunglückte von 15 bis 17 Jahre verzeichnete das Statistische Bundesamt 2017. 78 Verkehrsteilnehmende aus dieser Altersgruppe wurden bei Straßenverkehrsunfällen getötet. Die meisten der Verunglückten (7.815) kamen bei der Benutzung von Krafträdern (mit Versicherungs- und amtlichem Kennzeichen) zu Schaden, 4.486 als Insassen von Pkw, 4.419 auf dem Fahrrad (einschließlich 52 verunglückter Jugendlicher auf Pedelecs) und 1.432 zu Fuß. Bei den Getöteten zeigt sich die gleiche Rangfolge: 39 Jugendliche starben bei der Benutzung von Krafträdern, 23 als Insassen von Pkw, 9 auf dem Fahrrad und 6 beim Zu-Fuß-Gehen.

Das Risiko, dem diese Altersgruppe ausgesetzt ist, wird deutlich, wenn die Verunglücktenzahlen auf die Anzahl der Einwohner dieser Altersklasse bezogen werden: Das Unfallrisiko der Jugendlichen ist dann etwa dreimal so hoch wie das der Kinder unter 15 Jahren. Das Risiko, bei einem Straßenverkehrsunfall getötet zu werden, ist bezogen auf die Einwohnerzahl sogar mehr als fünfmal so hoch. Nur bei den 18- bis 24-Jährigen und den über 64-Jährigen ist das statistische Risiko, bei einem Verkehrsunfall getötet zu werden, noch höher als bei der Gruppe der Jugendlichen.

Männliche Jugendliche haben ein höheres Unfallrisiko. Ihr Anteil an den Verunglückten dieser Altersgruppe lag 2017 bei 61 Prozent, an den Getöteten betrug er sogar 77 Prozent. Dies liegt auch daran, dass männliche Jugendliche öfter mit motorisierten Zweirädern unterwegs sind. Das Unfallrisiko steigt bei den Jugendlichen mit zunehmendem Alter: Während die 15-Jährigen etwa ein Fünftel der Verunglückten (22 Prozent) stellten, lag der Anteil der 17-Jährigen bei rund 40 Prozent.

Suche nach Identität

Ein entscheidendes Kennzeichen der Persönlichkeitsentwicklung in dieser Altersstufe ist die Suche nach der eigenen Identität. Diese Suche verläuft häufig konfliktreich und ist verbunden mit dem Erproben neuer Verhaltensweisen und Rollen. Die Gruppe der Gleichaltrigen gewinnt an Bedeutung. Sie bestärkt den Jugendlichen meist in seiner kritischen Grundhaltung und seinem Wunsch nach eigenen Lebensformen. Der Einfluss der Eltern nimmt hingegen ab.

Lösungsansätze

In dieser Phase ist es besonders wichtig, die Jugendlichen in ihrer (Mobilitäts-) Entwicklung zu begleiten. Sie wollen mit ihren Erwartungen, Motiven und Bedürfnissen ernst genommen werden. Gegenüber vermeintlicher oder tatsächlicher Schulmeisterei reagieren Jugendliche jedoch häufig mit Unmut. Gefragt ist auch das Vorbild der Eltern, der Lehrkräfte und der Ausbilderinnen und Ausbilder.

Jugendliche können in erster Linie über die Schule angesprochen werden. Verkehrserziehung soll entsprechend den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz in der Fassung von 2012 als fächerübergreifende Aufgabe Beiträge zur Sicherheitserziehung, Sozialerziehung, Umweltbildung und Gesundheitsförderung leisten. Leider nimmt die Intensität der schulischen Verkehrserziehung nach der Grundschule vielerorts ab. Eine Stärkung der Verkehrserziehung in der Sekundarstufe wird im Verkehrssicherheitsprogramm der Bundesregierung ausdrücklich gefordert. Die derzeit entstehenden Angebote zur offenen Ganztagsschule bieten ebenfalls die Möglichkeit, Themen der Verkehrssicherheitsarbeit umzusetzen. Fahrrad, Inline-Skates und Mofa bieten praktische Anknüpfungspunkte für entsprechende Projekte. Darüber hinaus kann Verkehrssicherheit auch im außerschulischen Bildungs- und Freizeitbereich ein Thema sein.