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Kinder.

Die Gefahr spielt mit

Kinderunfälle gehören nach wie vor zum traurigsten Kapitel unseres modernen Massenverkehrs. Jahr für Jahr verunglücken hierzulande rund 29.000 Kinder, die jünger als 15 Jahre sind. 61 Kinder wurden 2017 bei Unfällen im Straßenverkehr getötet. Die meisten der Verunglückten (10.965) kamen als Insassen von Pkw zu Schaden, 9.858 auf dem Fahrrad (einschließlich 28 verunglückter Kinder auf Pedelecs) und 6.528 zu Fuß. Bei den Getöteten zeigt sich eine andere Rangfolge: 23 Kinder starben als Insassen von Pkw, 19 beim Zu-Fuß-Gehen und 15 mit dem Rad. Auch wenn der Rückgang der Kinderunfälle im langfristigen Vergleich eher erfreulich ist: Der Straßenverkehr ist für das Leben und die Gesundheit der jüngsten Verkehrsteilnehmenden gefährlicher als Infektionskrankheiten. Da es aber gegen Kinderunfälle keine Schluckimpfung gibt, müssen sich Eltern und Erziehende, Auto Fahrende und Stadtplaner und Stadtplanerinnen, ja alle Erwachsenen stärker um die Sicherheit von Kindern bemühen.

  • Insbesondere jüngere Kinder können ihre Aufmerksamkeit nicht gut teilen und widmen ihre Konzentration oft den Dingen, die für sie gerade interessant sind.
  • Sie sind intensiven, jeweils vorherrschenden Gefühlen wie Traurigkeit, Wut, Angst, Trotz oder Freude manchmal völlig ausgeliefert. „Gefühlsgeladene“ Kinder sind unberechenbar.
  • Die Fähigkeit, Entfernungen und Geschwindigkeiten richtig einzuschätzen, entwickelt sich bei Kindern erst mit der Zeit, ebenso die zuverlässige Orientierung nach Gehör.
  • Kinder vergessen oft ihre Umwelt. Soeben noch in Gedanken oder im Spiel versunken, können sie im nächsten Moment schon auf und davon brausen.
  • Viele Kinder haben einen starken Bewegungsdrang. Sie wollen und müssen sich austoben, auch auf der Straße. Je älter und körperlich leistungsfähiger sie werden, umso mehr Bewegungsfreiheit benötigen sie.

Neue Schule – neue Wege

Mit zunehmendem Alter steigt die Mobilität der Kinder: Mit dem Übergang zu weiterführenden Schulen werden längere Wege zurückgelegt, neue Freunde und Interessen bestimmen den Tagesablauf. Die 10- bis 15-Jährigen haben fast alle ein Fahrrad. Wo Bus und Bahn nur eingeschränkt zur Verfügung stehen, ist das Rad – neben dem „Taxi Mama“ – vorherrschendes Verkehrsmittel. Zwar haben die jungen Rad Fahrenden dieser Gruppe nahezu alle die offizielle Radfahrausbildung und -prüfung in den 3. und 4. Klassen der Grundschule hinter sich, die Umsetzung des Erlernten in der Verkehrswirklichkeit gelingt jedoch nicht immer. An die Hektik des Straßenverkehrs, an die sich ständig ändernden Situationen und wechselnden Geschwindigkeiten müssen sich die Mädchen und Jungen erst gewöhnen.

Erfahrungen sammeln

Die fehlende eigene Erfahrung wiegt im Straßenverkehr besonders schwer. Viele Gefahrensituationen können die Kinder noch nicht rechtzeitig erkennen und richtig einschätzen, so dass sie häufig – beinahe „schuldlos“ – in gefährliche Situationen geraten. Deshalb tun Eltern, die sich stets bereitwillig für „Taxidienste“ zur Verfügung halten, ihren Kindern nicht unbedingt etwas Gutes. Kindern, die immer im Auto befördert werden, fehlen nämlich die Erfahrungen, die sie für die selbstständige Teilnahme am Straßenverkehr brauchen – das gilt auch für 10- bis 15-Jährige. Außerdem führen all die Autos, in denen Kinder befördert werden, zu erhöhten Gefährdungen für diejenigen, die zu Fuß und mit dem Rad unterwegs sind.

Wachsende Risikobereitschaft

Einen wesentlichen Anteil der Unfallgefährdung in dieser Altersgruppe bildet die wachsende Risikobereitschaft. Besonders innerhalb der „Gruppe“ will man schließlich „gut aussehen“. Was heißt hier Angst? Klar, wag ich das ... – wer kennt solche, für diese Altersgruppe übrigens völlig normalen Sprüche nicht? Die eigenen Grenzen müssen abgesteckt, der eigene Platz im neuen Lebensbereich muss gefunden werden. Dass dies in der Regel umso gefährlicher ist, je schneller man sich fortbewegt, liegt auf der Hand.

Lösungsansätze

Verkehrserziehung von Kindern ist zunächst einmal Aufgabe der Eltern. Sie kennen ihr Kind am besten und können es behutsam an den Straßenverkehr heranführen. Das Einüben fester Regeln – beispielweise das Stehenbleiben vor dem Bordstein – gehört unbedingt dazu, aber auch das eigene Vorbild. Deshalb wenden sich Verkehrssicherheitsprogramme für Kinder auch in erster Linie an die Mütter und Väter, um diese bei ihrer verantwortungsvollen Aufgabe zu unterstützen. Aber auch Erzieherinnen und Erzieher im Kindergarten sowie Lehrerinnen und Lehrer sind wichtige Multiplikatoren für die Verkehrssicherheitsarbeit. Das „Projekthandbuch Kind und Verkehr“ bietet sozialpädagogischen Fachkräften in Krippe und Kindergarten und Moderatoren eine Richtschnur mit vielen praxisgerechten Beispielen.