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Ältere Menschen.

Gefährlich oder gefährdet?

Steigende Lebenserwartung einerseits und sinkende Geburtenraten andererseits sorgen in Deutschland für gravierende Veränderungen bei der Alterspyramide. Bereits heute sind über 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland 65 Jahre alt und älter. Ältere Menschen nehmen verstärkt am motorisierten Straßenverkehr teil. Gründe dafür liegen einerseits in der demografischen Entwicklung, andererseits in der höheren Verfügbarkeit von Kraftfahrzeugen, die sich bei den „neuen Alten“ zeigt und die sich künftig noch verstärken wird. Vor allem bei den älteren Frauen sind besonders starke Zuwächse beim Führerscheinbesitz zu erwarten.

Viele – vor allem Jüngere – sehen in der Zunahme der motorisierten Mobilität älterer Menschen eine Gefahr für die Verkehrssicherheit und fordern regelmäßige Eignungsprüfungen für ältere Führerscheininhaberinnen und -inhaber oder noch weitergehende Maßnahmen. Als Begründung werden oft spektakuläre Unfälle angeführt, die von Angehörigen dieser Altersgruppe verursacht wurden. Beim Blick auf die Unfallstatistik wird allerdings deutlich, dass sich solche, auf Einzelfälle begründete Forderungen kaum stützen lassen und eher einer subjektiven Wahrnehmung oder einfach einem Vorurteil entsprechen.

Obwohl der Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen ca. 21 Prozent ausmacht, stellt diese Altersgruppe rund 13 Prozent der Unfallbeteiligten – sie haben zur übrigen Bevölkerung eine unterproportionale Unfallbeteiligung. Dies spiegelt jedoch auch die geringere Verkehrsteilnahme dieser Altersgruppe als Fahrzeugführende wider. Da jedoch ältere Menschen bei Verkehrsunfällen im Durchschnitt schwerere Verletzungen erleiden, ist ihr Anteil an den Getöteten besonders hoch. Mit 31,9 Prozent stellte die Altersgruppe der über 64-Jährigen den größten Anteil an den Getöteten. Bezogen auf eine Million Einwohner ihrer Altersgruppe sind die Seniorinnen und Senioren mit 59 Getöteten die am meisten gefährdete Altersgruppe, gefolgt von den 18- bis 24-Jährigen mit 58 Getöteten pro 1 Million Einwohner. Dies lässt sich nicht nur auf nachlassende physische Widerstandskraft zurückführen, sondern hängt auch mit der Art der Verkehrsteilnahme zusammen: Ältere Menschen nehmen häufiger zu Fuß und zunehmend auch mit dem Fahrrad am Straßenverkehr teil und sind somit als ungeschützte Verkehrsteilnehmende einem höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt.

Im Straßenverkehr Getötete nach Altersgruppen

Insgesamt verunglückten 2018 53.268 Menschen ab 65 Jahren im Straßenverkehr, davon wurden 13.566 schwer verletzt und 1.045 getötet. 46 Prozent der Älteren (24.351) verunglückten als Insassen von Pkw, 29 Prozent (15.577) mit dem Fahrrad und 13 Prozent (7.039) zu Fuß. Die Anzahl der tödlich verunglückten Insassen von Pkw ab 65 Jahren betrug 406, die der getöteten Fußgängerinnen und Fußgänger 258. Auf dem Fahrrad (einschließlich Pedelecs) kamen 231 ums Leben.

Über 64-jährige Pkw Fahrende, die 2018 in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt waren, traten überproportional als Hauptverursacher in Erscheinung. Von den über 65- bis 74-Jährigen weist die polizeiliche Unfallstatistik 61,2 Prozent als Hauptverursacher aus, bei den über 75-Jährigen lag dieser Anteil sogar bei 75,6 Prozent. Der durchschnittliche Anteil der Hauptverursacher über alle Altersklassen lag 2018 bei 55,8 Prozent.

Beteiligte Pkw-Fahrer an Unfällen mit Personenschaden und Anteil der Hauptverursacher

Hilfen nutzen

Der Prozess des Älterwerdens ist mehr oder weniger zwangsläufig mit Funktionseinbußen verbunden, etwa bei der Informationsaufnahme und -verarbeitung. Diese Entwicklung verläuft jedoch individuell sehr unterschiedlich. Ältere Menschen sind häufig in der Lage, diese Entwicklung durch eine Reihe von Maßnahmen zu kompensieren: Sie fahren beispielsweise vorsichtiger, meiden Fahrten unter ungünstigen Bedingungen oder verzichten bei widrigen Straßenverhältnissen auch schon einmal auf eine Fahrt. Voraussetzung ist jedoch eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, um geeignete Strategien und Verhaltensweisen entwickeln zu können, die der individuellen Leistungsfähigkeit Rechnung tragen.

Lösungsansätze

Diese Entwicklung können die Betroffenen umso besser meistern, je eher sie damit anfangen: Bereits in einem Alter, in dem bei vielen die Leistungsfähigkeit noch nicht oder kaum spürbar beeinträchtigt ist, sollte man aufmerksam seine eigenen Stärken und Schwächen beobachten und geeignete Strategien für die eigene Verkehrsteilnahme entwickeln. Dazu gehört sowohl die Nutzung der von den Fahrzeugherstellern angebotenen Hilfen (Fahrzeugausstattung, Fahrerassistenzsysteme usw.), als auch die flexible Wahl der verschiedenen Verkehrsmittel. Regelmäßige freiwillige Seh- und Hörtests sowie die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Hausarzt oder der Hausärztin vermitteln ein objektives Bild der eigenen Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus gelten spezielle Fahrsicherheitstrainings, die sich durch ihre Schwerpunktsetzungen an den besonderen Bedürfnissen Älterer orientieren, als geeignetes Mittel der Prävention. Viele Organisationen bieten spezielle Seminare und Veranstaltungen zu Verkehrssicherheitsthemen für ältere Menschen an.