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Erwachsene Verkehrsteilnehmer.

Mobil wie nie zuvor

Am 1. Januar 2017 waren in Deutschland über 55,5 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen. Darunter waren 45,8 Millionen Pkw, über fünf Millionen Nutzfahrzeuge, darunter drei Millionen Lkw und Sattelzugmaschinen, sowie 4,3 Millionen Krafträder. Hinzu kommen ca. zwei Millionen Kleinkrafträder und ca. 73 Millionen Fahrräder. Auf nahezu 13.000 km Autobahnen, ca. 220.000 km sonstigen überörtlichen Straßen und 400.000 km Gemeindestraßen wird tagtäglich zu Fuß, mit dem Fahrrad, im öffentlichen Straßenpersonenverkehr sowie im motorisierten Individualverkehr die kaum vorstellbare Menge von drei Milliarden Personenkilometern zurückgelegt. Im gesamten Jahresverlauf ergibt sich daraus eine Summe von über 1.000 Milliarden Personenkilometer. Dabei ist im Schnitt jeder mobile Bürger und jede Bürgerin etwa 90 Minuten am Tag unterwegs und legt dabei gut 40 Kilometer zurück.

Die Kehrseite dieser enormen Mobilität sind die Verkehrsunfälle, in denen Personen mit Kraftfahrzeugen, mit dem Fahrrad und zu Fuß verwickelt sind. 2016 ereigneten sich 308.145 Verkehrsunfälle mit Personenschaden. Dabei wurden 396.666 Personen verletzt und 3.206 Menschen getötet. Eine Aufgliederung der Verunglückten nach Alter zeigt, dass junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren sowie ältere ab 65 Jahren überproportional vom Unfallgeschehen betroffen sind.

Unfallursachen

2016 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei etwa acht Prozent der Unfälle mit Personenschaden allgemeine Unfallursachen (beispielsweise Straßenglätte durch Regen bzw. Schnee oder Sichtbehinderung durch Nebel) mitauslösend. Lediglich bei neun von 1.000 unfallbeteiligten Fahrzeugen stellte die Polizei technische Mängel als Unfallursache fest. Etwa die Hälfte dieser unfallverursachenden technischen Defekte traten bei motorisierten Zweirädern auf. Personenbezogene Ursachen bei Unfällen mit Personenschaden (Fehlverhalten der Beteiligten) stellte die Polizei 383.433 Mal fest. Häufigstes Fehlverhalten der Fahrzeugführenden war dabei „Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren“ (18,2 %), gefolgt von Missachtung der Vorfahrt (17,1 %), Abstandsfehler (15,8 %) sowie „nicht angepasste Geschwindigkeit“ (12,3 %), welche als Unfallursache somit an vierter Stelle steht. Bei den Unfällen mit Getöteten nimmt diese Ursache jedoch nach wie vor den ersten Rang ein: Insgesamt starben 1.108 Menschen (34,6 % aller Verkehrstoten) aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit, so viele wie bei keiner anderen Unfallursache.

Ausgewählte Fehlverhaltensweisen der Fahrzeugführenden bei Unfällen mit Personenschaden 2016

Ausgewählte Fehlverhaltensweisen der Fahrzeugführenden bei Unfällen mit Getöteten 2016

Die Unfallursachen, die bei der polizeilichen Aufnahme erhoben werden, bilden die Kausalität der Unfallentstehung jedoch nur unzureichend ab, weil für die Polizei bei der Unfallaufnahme das personenbezogene Fehlverhalten im Vordergrund steht. Straßenbauliche Unfallursachen wie die Unübersichtlichkeit von Knotenpunkten oder das Fehlen von Abbiegespuren können von den Polizeibeamten im Einzelfall kaum festgestellt werden. Auch technische Defekte eines Fahrzeuges sind am Unfallort häufig nur schwer erkennbar. Notiert werden hauptsächlich die unfallbezogenen Ursachen wie Straßenglätte oder Nebel, und natürlich das Fehlverhalten der Verkehrsteilnehmer. Strukturelle Defizite des Verkehrssystems werden dabei nicht erfasst. Ebenso wird z.B. Ablenkung als Unfallursache bisher nicht in der amtlichen Unfallstatistik ausgewiesen, da diese Unfallursache im Erhebungsbogen nicht enthalten ist.

Mit der ständigen Zerstörung von Leben und Gesundheit, aber auch erheblicher Sachwerte in Milliardenhöhe, kann sich niemand abfinden. Zwar sind vielfältige Maßnahmen der Regierungen auf Bundes- und Landesebene sowie der vielen auf dem Feld der Verkehrssicherheitsarbeit tätigen Institutionen nicht ohne Wirkung geblieben. Insgesamt sind die Risiken der am Verkehr teilnehmenden Personen geringer geworden. Doch das reicht noch lange nicht. „Verkehrssicherheit liegt in der Verantwortung aller“, heißt es im Verkehrssicherheitsprogramm der Bundesregierung. „Wir alle prägen die Verkehrssicherheit durch unser Verhalten als Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer, Motorradfahrer, Lkw-Fahrer, Busfahrer oder Nutzer anderer Verkehrsmittel.“ Gefordert sind demnach das Verantwortungsbewusstsein jedes und jeder Einzelnen und ihre Bereitschaft, einen Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit zu leisten. Diesem Ziel dienen letztlich zahlreiche Programme und Aktionen der Verkehrssicherheitsarbeit, die sich an erwachsene Verkehrsteilnehmende richten.

Lösungsansätze

Erwachsene Verkehrsteilnehmende können einerseits über die vielfältigen Kanäle der Öffentlichkeitsarbeit angesprochen werden. Die Plakataktionen und Kampagnen des Deutschen Verkehrssicherheitsrates und seiner Mitglieder sind ein Beispiel dafür. Erwachsene werden aber auch durch Angebote wie Sicherheits- und Fahrspartrainings erreicht. Einen wichtigen Zugang zu erwachsenen Verkehrsteilnehmenden eröffnet auch die betriebliche Verkehrssicherheitsarbeit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). In vielen Unternehmen wird Verkehrssicherheit mittlerweile als unverzichtbarer Bestandteil der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes gesehen. Die Beschäftigten nehmen an entsprechenden Präventionsmaßnahmen für mehr Sicherheit auf ihren Dienst- und Arbeitswegen teil. Unternehmen der gewerblichen Personen- und Güterbeförderung erkennen die Qualifizierung der Fahrerinnen und Fahrer als wichtigen Bestandteil der Bemühungen um Qualität und Effizienz. Auch in der Weiterbildungsarbeit der gewerblichen Berufsgenossenschaften erhält das Thema Verkehrssicherheit einen immer größeren Stellenwert.