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Deutsche Verkehrswacht
Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
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Jugendliche.

Vom Drahtesel zum PS-Start

Endlich 15! Das Erreichen dieses Alters markiert für viele Jugendliche eine wichtige Schwelle: Ab jetzt ist die motorisierte Fortbewegung im Straßenverkehr möglich – zunächst auf dem Mofa, ab dem 16. Lebensjahr auch auf Moped, Roller und Leichtkraftrad. Mit 17 Jahren ist schließlich im Rahmen des begleiteten Fahrens auch der Einstieg in die vierrädrige Mobilität möglich. Mit steigender Motorisierung nimmt die Mobilität der Jugendlichen zu: Mehr als eine Stunde sind 15- bis 17-Jährige im Durchschnitt im Straßenverkehr unterwegs, dabei legen sie im Schnitt über 20 Kilometer zurück.

Damit einher gehen allerdings auch steigende Unfallzahlen: 20.398 Verunglückte von 15 bis 17 Jahre verzeichnete das Statistische Bundesamt 2011. 116 Verkehrsteilnehmer aus dieser Altersgruppe wurden bei Straßenverkehrsunfällen getötet. Das Risiko, dem diese Altersgruppe ausgesetzt ist, wird deutlich, wenn die Verunglücktenzahlen auf die Einwohner dieser Altersklasse bezogen werden: Mit 850 Verunglückten pro 100.000 Einwohner ist das Unfallrisiko der Jugendlichen dreimal so hoch wie das der Kinder unter 15 Jahren. Das Risiko, bei einem Straßenverkehrsunfall getötet zu werden, ist mit 48 Jugendlichen je 1 Million Einwohner sogar sechsmal so hoch. Nur bei den 18- bis 24-Jährigen ist das Unfallrisiko noch höher als bei der Gruppe der Jugendlichen.

Getötete 15- bis 17-Jährige bei Straßenverkehrsunfällen 2011 nach Art der Verkehrsbeteiligung

31 Prozent der getöteten Jugendlichen starben als Nutzer von motorisierten Zweirädern, 47 Prozent als Insassen von Pkw. Das Fahrrad nutzten 4 Prozent der tödlich Verunglückten, 15 Prozent waren Fußgänger. Männliche Jugendliche haben ein höheres Unfallrisiko. Ihr Anteil an den Verunglückten lag bei 60 Prozent, an den Getöteten betrug er sogar 80 Prozent. Dies liegt auch daran, dass männliche Jugendliche öfter mit motorisierten Zweirädern unterwegs sind. Bei den Jungen war jeder zweite Verunglückte (51,3 %) entweder Fahrer oder Beifahrer auf einem motorisierten Zweirad, bei den Mädchen nur jedes vierte (23,9 %). Das Unfallrisiko steigt bei den Jugendlichen mit zunehmendem Alter: Während die 15-Jährigen nahezu ein Viertel der Verunglückten stellten, lag der Anteil der 17-Jährigen bei über 40 Prozent.

Suche nach Identität

Ein entscheidendes Kennzeichen der Persönlichkeitsentwicklung in dieser Altersstufe ist die Suche nach der eigenen Identität. Diese Suche verläuft häufig konfliktreich und ist verbunden mit dem Erproben neuer Verhaltensweisen und Rollen. Die Gruppe der Gleichaltrigen gewinnt an Bedeutung. Sie bestärkt den Jugendlichen meist in seiner kritischen Grundhaltung und seinem Wunsch nach eigenen Lebensformen. Der Einfluss der Eltern nimmt hingegen ab.

Lösungsansätze

In dieser Phase ist es besonders wichtig, die Jugendlichen in ihrer (Mobilitäts-) Entwicklung zu begleiten. Sie wollen mit ihren Erwartungen, Motiven und Bedürfnissen ernst genommen werden. Gegenüber vermeintlicher oder tatsächlicher Schulmeisterei reagieren Jugendliche jedoch häufig mit Unmut. Gefragt ist auch das Vorbild der Eltern, der Lehrkräfte und der Ausbilder.

Jugendliche Verkehrsteilnehmer können in erster Linie über die Schule angesprochen werden. Verkehrserziehung soll entsprechend den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz von 1994 als fächerübergreifende Aufgabe Beiträge zur Sicherheitserziehung, Sozialerziehung, Umwelt- und Gesundheitserziehung leisten. Leider nimmt die Intensität der schulischen Verkehrserziehung nach der Grundschule vielerorts ab. Eine Stärkung der Verkehrserziehung in der Sekundarstufe wird im Verkehrssicherheitsprogramm der Bundesregierung ausdrücklich gefordert. Die derzeit entstehenden Angebote zur offenen Ganztagsschule bieten ebenfalls die Möglichkeit, Themen der Verkehrssicherheitsarbeit umzusetzen. Fahrrad, Inline-Skates und Mofa bieten praktische Anknüpfungspunkte für entsprechende Projekte. Darüber hinaus kann Verkehrssicherheit auch im außerschulischen Bildungs- und Freizeitbereich ein Thema sein.